Suchterfahrungen

Ein Abschiedsbrief an meine Suchtmittel

06.Juli 2007

Hallo Haschisch und Marijuana!

Im Frühjahr 1977 haben wir uns kennen gelernt. Ich war damals in einer Gruppe von Kumpels und habe mich dort wohl gefühlt, weil ich einfach so angenommen wurde, wie ich war, ohne, daß ich gefragt wurde, wer ich bin, was ich kann oder was ich habe.
Als Ihr in mein Leben getreten seid, hat sich die Sicht auf diese schöne Welt verändert. Ich habe immer viel Spaß mit Euch gehabt, an Wochenenden und auf Partys seid Ihr immer bei mir gewesen, habt mir geholfen, meine Minderwertigkeitskomplexe zu überdecken und mir die Welt etwas einfacher zu machen. Ich hatte plötzlich den Mut, einfach auf Mensch zuzugehen und sie einfach anzusprechen, habe mich getraut, allein auf der Tanzfläche in der Disco zu tanzen, ohne daß ich daran gedacht habe : „Was denken wohl die anderen, die an der Tanzfläche stehen, über mich ?“
Das ging gut bis zum Tode meiner Mutter. Von dem Zeitpunkt an wurdet Ihr zu einem Hilfsmittel für meinen Alltag, um Tag für Tag zu bewältigen. Ich brauchte Euch, um mich nicht mit meine Gefühlen und der Realität auseinander setzen zu müssen. In den letzten Jahren habe ich gemerkt, daß Ihr mein Leben in der Hand habt und das ist nicht gut. Ich war einsam und allein, habe mich eingebunkert und niemanden an mich heran gelassen. Depressionen waren von nun an Euer Begleiter. Und ich war drauf und dran, mein Leben vorzeitig zu beenden.
In diesem Frühjahr habe ich mich entschlossen, mich von Euch zu trennen. Ich bin der Meinung, daß ich Euch nicht mehr brauche. Und ich werde nun mein Leben selbst in die Hand nehmen und die Probleme, die ich durch Euch verdrängt und auch nur verwischt habe, selbst lösen.
Es waren schöne Zeiten, aber auch schlechte Zeiten mit Euch.

Von jetzt an gehe ich meine eigenen Weg, ohne Euch.

Machts gut, OHNE MICH!

Wolfhard

Suchterfahrungen

Suchtlebenslauf Wolfhard

09.05.1958

Geboren in Hannover von Vater Waldemar (Schlosser) und Mutter Erna (Hausfrau), Schwester Heiderose (5 Jahre älter)

1965

Einschulung in die Grundschule

1968

Wechsel von der Grundschule in die Realschule

1970

Auszug der Schwester aus der elterlichen Wohnung

1971

Wiederholung der 7.Schulklasse

1975

Entlassung aus der Realschule mit Abschluss der Mittleren Reife  U N D   Beginn der Berufsausbildung zum Industriekaufmann

1976

Beginn mit Zigarettenrauchen

1977

Erst-Kontakt mit Haschisch, Aufputschtabletten und LSD

11/1977 – 01/1979

Erste ernste Beziehung zu Astrid W.

01/1979

Bestandene Abschlussprüfung zum Industriekaufmann nach ½-jähriger Verlängerung wegen Nichtbestehens der regulären Abschlussprüfung im Sommer 1978

03/1979

Erster Auszug aus dem elterlichen Haus

09.05.1979

Freundin Elisabeth H.hat mir mein Herz gebrochen

10/1979 – 12/1980

15 Monate Grundwehrdienst bei der Bundeswehr

1981 –1986

Diverse Jobs, Fortbildungen, Lehrgänge, Praktika und Aushilfsjobs / In dieser Zeit zweimal aus finanziellen Gründen zu meinen Eltern zurückgezogen

1984

Wenige Male Kontakt zu Kokain

11/1986 – 08/1990

Verkäufer im Elektro-Kaufhaus Saturn-Hansa, Hannover

01/1989

Dritter und letzter Auszug aus dem elterlichen Haus

Sommer 1989

Mein damaliger bester Freund Uwe M. hat mich beklaut, belogen, betrogen und unsere 13-jährige Freundschaft verraten

17.04.1990

Meine Mutter stirbt mit 56 Jahren an Hirntumor

1990 – 1997

Drei mehrjährige kaufmännische Verkaufstätigkeiten

1993 – 1996

Beziehung zu Melanie M. war eine Riesen-Enttäuschung / Diese war bis heute meine letzte Beziehung

07/1999

Erste Entgiftung in LKH Wunstorf in Bad Rehburg / Diese habe ich als Urlaub angesehen und nicht ernst genommen

08/1999 – 09/2002

Reinigungstätigkeit im Restaurant „Backöfle“ in Hannover

04/2002 – 10/2002

Erster Versuch der Drogenentwöhnung mit Hilfe der Drogenberatung PRISMA, von dort aus ambulante Therapie beantragt und eine stationäre Entwöhnungsbehandlung bewilligt bekommen, die ich dann abgelehnt habe

09/2002

Kontaktabbruch zu meinem Vater von mir

01/2003 – 12/2003

Freier Mitarbeiter in der Redaktion der Stadtteil-Zeitung „LINDENSPIEGEL“

11/2004

Mein bester Freund Ulrich Sch. stirbt an Aids

22.12.2004

Ich musste meine Katze SUSI wegen Krankheit und Altersschwäche einschläfern lassen

04/2004

Information bekommen, dass mein Vater einen Schlaganfall hatte

05/2005

Mein Kontaktabbruch zu meiner Schwester Heiderose

05/2005 – 11/2005

Jeden Tag 3-5x Speed gezogen – Ich bin am Ende!!! Ich war kurz vor dem Vollzug eines Suizides, aber nicht gemacht.

14.11.2005 – 11.01.2006

Zweite Entgiftung im LKH Wunstorf in Bad Rehburg. Während dieser Zeit habe ich einen Betreuer beantragt und bekommen, der für mich alle finanzielle und behördliche Dinge regelt, und zwar freiwillig auf meinen Wunsch, und nicht per gerichtlichen Beschluss. Vorläufig noch bis 12/2008.

07/2006 – 03/2007

Ein-Euro-Job in der Landschaftspflege – hat mir viel Spaß gemacht

11/2006 + 02/2007

jeweils einen dreiwöchigen Depressionsschub mit wieder sehr
düsteren Gedanken, auch an Suizid

02/2007

Entschluss gefasst, etwas gegen meine Depressionen zu unternehmen und mir Hilfe zu holen durch und mit Hilfe meine Hausarztes Dr.Ulrich Krieger-Bodek, bei dem ich seit Anfang der 80er Jahre in Behandlung bin, dem ich total vertraue und der meine Geschichte sehr genau kennt

06.03.2007

Heute habe ich das letzte Mal mit illegale Drogen- und Alkohol-Konsum gefeiert, bevor ich in die Entgiftung nach Bad Rehburg gegangen bin

07.03.2007 – 12.04-2007

Dritte und bislang letzte Entgiftung im LKH Wunstorf in Bad Rehburg – Hier habe ich mir selbst eingestanden, dass ich THC-abhängig bin und den Entschluss gefasst, eine Langzeit-Drogen-Entwöhnungstherapie zu machen, um meine Abhängigkeit zu bekämpfen. Außerdem habe ich wieder Kontakt von meiner Seite aus zu meinem Vater und meiner Schwester aufgenommen

Seit 12.04.2007

Auf Langzeit-Drogen-Entwöhnungstherapie in Wied / Westerwald in Rheinland-Pfalz in den Kliniken Wied bis 01.08.2007. Hier habe ich meine CLEAN-Entscheidung (kein Konsum von illegale Drogen, keinen Alkohol-Konsum, keinen Medikamenten-Mißbrauch) für meine Zukunft getroffen.

Nachtrag:

Seit dem Tage des Todes meiner Mutter am 17.April 1990  habe ich Haschisch und Marihuana zu meinem Alltag gemacht und fast täglich ca. 2-3 g hiervon geraucht bzw. konsumiert, nur um meine Gefühle nicht zuzulassen, zu unterdrücken und mich nicht mit dem Tode meiner Mutter auseinandersetzen zu müssen. Auch diverse illegale Drogen und Medikamente habe ich  seit dieser Zeit als Beikonsum genutzt.