Wied, 22.Juli 2007
1. Meine Fähigkeiten während dieser Zeit sind geschärft worden:
- Kritik an meiner Person kann ich wesentlich besser annehmen, ohne sofort in Gegenwehr zu gehen, um mich „zu schlagen“ und erst mal die Schuld bei anderen zu suchen, sondern erst einmal bei mir selbst schauen.
- Probleme kann ich jetzt um ein wesentliches besser analysieren und überlegen, welche Schritte nacheinander oder auch parallel unternommen werden können, um das entsprechende Problem zu bewältigen, ohne der „Kopf in den Sand“ zu stecken und zu resignieren.
- Ich kann mittlerweile auf fremde Menschen zugehen, ohne zuvor zu denken, „die lehnen mich sowieso nur ab“.
2. Meine Ressourcen habe ich hier stärken können:
- Ich habe hier wieder den Teamgeist in mir wecken können, konnte in Klein- und auch Großgruppen zum Gelingen von Aufgaben und Projekten beitragen können.
- Mein Selbstbewusstsein ist gestärkt worden, in dem ich es mir angeeignet habe, vor mehr als drei Menschen etwas darzulegen und zu sprechen und dass mir zugehört wird, ohne dass sich sofort „meine Kehle zuschnürt“, ich kalte Füße bekommen und resignieren und mich verweigere.
- Ich habe auch wieder seit meiner Jugend gelernt, mich in eine Sportmannschaft einzufügen, aber nicht nur „Befehle“ entgegenzunehmen, sondern auch konstruktiv zum Spiel mit eigenen Ideen beizutragen und es zu fördern (Beispiel Volleyball).
3. Was ich tun werde, wenn ich wieder draußen bin:
- Ich werde zusehen, dass ich so schnell wie möglich an einen Job komme, um natürlich weiterhin, wie ich es hier wieder hatte, Struktur im Tage zu haben. Kurzfristig werde ich mich wieder bei der Stelle für Ein-Euro-Jobs melde, um dort wieder schnellstmöglich zu arbeiten. Vor Entgiftung und Langzeit-Therapie habe ich dort in der Landschaftspflege gearbeitet und es hat mir viel Spaß gemacht.
- Ich werde mich einem Volleyball-Verein für Freizeitspieler anschließen.
- Ich werde alte Hobbys aktivieren, wie zum Beispiel Briefmarken sammeln und Brieffreundschaften neu beginnen bzw. pflegen.
- Ich werde meine Wohnung erst mal richtig aufräumen, soll heißen, ich werde mich von sehr viel Ballast trennen, den ich schon sehr viele Jahre mit mir herumtrage, denn ich konnte mich in der Vergangenheit immer sehr schlecht von Sachen trennen, habe gedacht, damit könne ich noch mal etwas anfangen bzw. es wäre noch zu gebrauchen, liegt aber seit Jahren nur rum und blockiert mich.
- Mittelfristig werde ich mich um eine neue Wohnung kümmern, da ich in einem Brennpunkt-Stadtviertel und einem Brennpunkt-Haus seit über 18 Jahren in Hannover wohne und lebe.
- Ich werde versuchen, mich langsam wieder an große Menschenmengen zu gewöhnen, da ich vor Entgiftung und Therapie diese seit ca. 15 Jahren gemieden und Platzangst bekommen habe.
- Ich werde auch zusehen, dass ich einen neuen Freundeskreis schaffen muss, da die meisten meiner Kumpels und Freunde Alkohol und/oder illegale Drogen konsumieren und das nicht in meine Zukunft passt.
- Ich werde Kontakt zu meinem Vater aufnehmen, den ich vor ca. fünf Jahren von meiner Seite abgebrochen habe, den Kontakt aber im Frühjahr während der Entgiftung und während Therapie schon angefangen habe, wieder herzustellen.
Wolfhard/Gruppe K2
