Von August bis Dezember 2008 habe ich an einer teilstationären Therapie in der Klinik am Kronsberg teilgenommen.
Die Klinik am Kronsberg wurde Anfang 2008 eröffnet und hat ein neues, offenes Konzept. Hier wird intensiv mit Rückfällen gearbeitet und es herrscht auch kein Therapiezwang. Vielmehr wird die Selbstständigkeit der Patienten gefördert und die Freiwilligkeit der Therapie, sowie der Wille des Patienten, sich mit seiner Sucht auseinanderzusetzen, vorausgesetzt. Die Therapeuten der Klinik waren zum größten Teil vorher in anderen Einrichtungen der STEP, die nun in der Klinik zusammengefasst sind.
Durch das offene Konzept kommt es natürlich vor, das man mit Suchtmitteln in Verbindung kommt. Im Vergleich zu anderen therapeutischen Einrichtungen ist man nicht so sehr unter der “Käseglocke” und dementsprechend auch nicht in einem so starken geschützten Rahmen. Man kann dies als Nachteil empfinden, doch stärkt es das Durchhaltevermögen, trainiert den Willen mit der Sucht zu brechen und bereitet den Patienten auf das Leben nach der Therapie vor, wo er sich selber zurecht finden muss. Der Patient wird hier nicht kontrolliert, sondern ist angehalten, sein Verhalten selber zu steuern. Urin-, sowie Alkoholkontrollen wurden zufallsweise durchgeführt oder wenn der Verdacht des Konsums bestand. Man wird dazu angehalten Rückfälle offen anzusprechen und zu bearbeiten. Dies setzt die Ehrlichkeit und Offenheit der Patienten voraus. Vielleicht ist dieses offene Konzept nicht für jeden das Richtige, für Menschen die einen geschützten Rahmen benötigen, gibt es andere Konzepte.
Das Klinikteam ist motiviert und sehr erfahren. Hier sind sehr gute Therapeuten der unterschiedlichen Fachrichtungen aktiv. Vorwiegend gab es Gruppentherapien, aber auch Einzelgespräche waren Bestandteil der Behandlung. Ein großer Fokus wurde auf sportliche Aktivitäten gelegt, der das Selbstwert- und Körpergefühl der Patienten stärken soll. Viele haben hier erst gemerkt wie sehr sie über die Jahre ihren Körper vernachlässigt haben.
Die Patienten haben die Möglichkeit, neben der täglichen Gruppentherapie in der Bezugsgruppe, zusätzliche Gruppen zu wählen, unter anderem Sport (wie z.B. Nordic Walking, Schwimmen, Bogenschießen oder Ballsportarten), Genußtraining, Akupunktur, Ressourcentraining, Frauen-/Männerthemen und anderes.
Es gibt teilweise doch einigen Leerlauf zwischen den einzelnen Gruppen. Aber auch das gehört zur Therapie dazu. Langeweile auszuhalten ist für viele Suchtkranke nicht einfach. Man kann diese Zeit aber gut für sich selber nutzen und an seinen Zielen arbeiten, sich mit anderen Patienten austauschen, Sport betreiben oder einfach nur entspannen.
Sicherlich lief zu dem Zeitpunkt meines Aufenthaltes in der Klinik noch nicht alles rund. Es gab auch einige Veränderungen in der Zeit. Das neue Konzept musste sich in der Praxis noch ein wenig finden, daran wurde immer wieder gefeilt, wenn man merkte das etwas nicht wie geplant funktionierte. Auch die Anregungen und Wünsche der Patienten zum Therapiekonzept und Klinikalltag wurden in die Entscheidungsfindung mit einbezogen. Dies wird sicher auch noch einige Zeit in Anspruch nehmen, aber die Grundlagen sind sehr gut.
Für mich kann ich sagen, das mir die Therapie sehr gut getan hat. Meine Cleanentscheidung habe ich nach der Therapie gefasst und bin bis auf einen Ausrutscher bislang rückfallfrei geblieben. Ich habe meine Suchtmuster, aber auch meine Stärken und Ressourcen erkannt, habe gelernt mich abzugrenzen, “Nein” zu sagen und lebe heute deutlich bewusster als vorher, ohne meine Sucht.
